Ressource 02 · Beschaffung
Mindestbestellmenge & Lieferzeit: Mengenstaffel, Preisstaffel und Kapitalbindung
Warum eine Eigenmarke bei 300 Stück beginnt und eine Neuentwicklung bei 1.000, wie sich die Termine von der Musterfreigabe bis zum Warenausgang aufaddieren und wo ein Puffer realistisch ist. Mit dem Rechenweg für die Saisonplanung — und mit der Angabe, welche Zahlen gemessen und welche gerechnet sind.
Kurzantwort
Wie hoch ist die MOQ und wie lange dauert es? Katalogware in neutraler Verpackung beginnt bei 100 Stück je Artikelnummer, eine Eigenmarke auf bestehendem Werkzeug bei 300, eine ODM-Anpassung bei 500, eine Neuentwicklung mit eigenem Werkzeug bei 1.000. Nach Musterfreigabe und Anzahlung läuft die Serienfertigung in 25–35 Tagen; Seefracht nach Europa 28–35 Tage, Luftfracht 3–7 Tage. Vom Tag der Musterfreigabe bis zum verfügbaren Warenausgang sind damit rund 75–80 Tage realistisch.
- 100 Stück Katalogware
- 300 Stück Eigenmarke
- 500 Stück ODM-Anpassung
- 1.000 Stück Neuentwicklung
Warum eine Mindestmenge überhaupt existiert
Eine Mindestbestellmenge ist kein Verhandlungstrick, sondern die Folge von Rüstkosten. Jeder Produktionslauf bindet Werkzeug, Maschinenzeit und Einrichtpersonal; bei Kleinserien steht die Rüstzeit in keinem Verhältnis zur Stückzahl. Hinzu kommen materialseitige Mindestmengen: Silikon wird in Chargen angesetzt, Farben werden gemischt, Verpackungen werden gedruckt — ein Druckauftrag für 200 Beipackzettel kostet je Stück ein Vielfaches eines Auftrags über 2.000.
Daraus folgt die Staffel: Je mehr an einer Artikelnummer verändert wird, desto höher die Schwelle. Eine Eigenmarke auf bestehendem Werkzeug verändert Farbe, Verpackung und Beschriftung — das ist der günstigste Fall. Eine ODM-Anpassung verändert Bauteile, eine Neuentwicklung erfordert ein eigenes Werkzeug. Nicht die Stückzahl ist also der Preis, sondern die Tiefe des Eingriffs.
Die Terminkette und wo sie kippt
Die vier Phasen hängen aneinander, und nur die erste liegt vollständig beim Hersteller. Musterfreigabe (Tag 0), Serienfertigung (25–35 Tage), Prüfung und Verpackung (3–5 Tage), Transport (28–35 Tage Seefracht, 3–7 Tage Luftfracht), Zollabfertigung (3–7 Tage). Was die Kette am häufigsten verlängert, ist nicht die Fertigung, sondern das Warten: ein Muster, das beim Kunden zwei Wochen liegt, oder eine Anzahlung, deren Eingang nicht bestätigt wird.
Daraus folgt die Planungsregel: Rechnen Sie vom gewünschten Regaltermin rückwärts und setzen Sie zwischen jede Phase einen Puffer von einer Woche. Bei einer Saisonware, die im November im Regal stehen soll, beginnt die Musterfreigabe damit nicht im September, sondern spätestens Anfang August.
Was eine Zahl belegt und was nicht
Alle Termine auf dieser Seite sind Produktionsangaben von Slow Mond und werden im Angebot verbindlich zugesagt. Transportdauern sind Erfahrungswerte der Spediteure und ausdrücklich keine Zusage. Register- und Zollfristen liegen außerhalb des Einflusses des Herstellers. Wo eine Angabe gemessen ist, ist sie eine Zusage; wo sie geschätzt ist, steht sie als Spanne.
Für die Konditionen im Ganzen: Großhandel & Konditionen. Für die Eigenmarke im Ablauf: der OEM-Prozess in fünf Schritten. Für die Beschaffung im Überblick: der Bereich Beschaffung im Blog. Was zu jeder Nummer an Unterlagen mitkommt, steht unter Konformität & Dokumente; die Werkstoffseite erklärt Silikon, TPE und ABS im Vergleich, und die Einfuhrabwicklung nach DACH steht unter Import nach DACH.
Aus dem Blog, im Einzelnen: Mindestbestellmenge verhandeln — Staffelpreise und Bündelung · Lieferanten für Vibratoren ohne Reisepflicht prüfen · Private Label Intim-Wellness: den Lieferanten wählen.
Probebestellung und Mischkarton: die kleinste sinnvolle Bestellung
Die erste Bestellung muss nicht die endgültige Sortimentsentscheidung sein. Zwischen „ein Muster ansehen" und „eine Marke aufbauen" liegt die Probebestellung: eine kleine, aber vollständig abgewickelte Lieferung mit Originalverpackung, Dokumenten und Zollanmeldung. Sie zeigt, was ein Muster nicht zeigt — wie die Ware im Regal wirkt, wie sie sich anfühlt, wenn zehn Stück davon in einer Kiste liegen, und ob die Beipackzettel für Ihr Personal verständlich sind.
Was eine Probebestellung leistet
Für Katalogware beginnt die Mindestmenge bei 100 Stück je Artikelnummer. Zwei Nummern ergeben damit 200 Einheiten — genug für ein Regal oder einen Webshop-Start, klein genug, um eine Fehleinschätzung zu verkraften. Geliefert wird in neutraler Verpackung und auf Wunsch mit neutralem Karton, sodass die Sendung ohne Markenbezug ankommt. Wer zunächst nur prüfen will, ob ein Modell zum Sortiment passt, bleibt beim Musterweg: Katalogmuster versenden wir in 3–5 Werktagen, Markenmuster in 7–15 Werktagen.
Warum der Mischkarton die Fracht entscheidet
Ein Mischkarton bündelt mehrere Artikelnummern in einer Sendung. Das ändert die Mindestmenge nicht — sie gilt je Nummer, nicht je Sendung —, aber es ändert die Fixkosten: eine Zollanmeldung, eine Speditionsabwicklung, ein Containerplatz für mehrere Nummern. Bei kleinen Mengen dominieren genau diese Fixkosten; deshalb ist die gemischte Sendung der übliche Weg für den Sortimentsaufbau. Für Eigenmarken gilt die Staffel ab 300 Stück je Nummer, für Sonderfarben ab 500 und für ein eigenes Werkzeug ab 1.000 Stück — dort ist der Mischkarton kein Thema mehr, weil das Werkzeug bereits an eine Nummer gebunden ist.
Umkarton, Kartonmaße und die Mindestmenge je Karton
Zwischen Stück und Palette liegen zwei Verpackungsebenen: der Umkarton (die Einheit, in der der Handel zählt) und der Versandkarton. Beide sind keine Nebensache, weil sie die kleinste sinnvolle Bestellmenge mitbestimmen: Eine Nummer, die nur im Versandkarton geliefert wird, zwingt zu einer größeren Abnahme als eine Nummer mit Umkarton. Deshalb nennen wir im Angebot je Artikelnummer Umkarton-Inhalt, Kartonmaße, Gewicht und die sich daraus ergebende Palettenhöhe — Werte, die der Handel für Regalplanung, Lagerplatz und Frachtkalkulation braucht.
Für die Bestellung heißt das: Die angegebene Mindestmenge ist die Untergrenze, nicht die Lieferform. Wer 100 Stück ordert und 120 geliefert bekommt, hat keinen Fehler gemacht, sondern die Kartongrenze erreicht. Planen Sie deshalb in Kartons, nicht in Stücken — und fragen Sie vor der Bestellung nach der Kartonstaffel, wenn die Stückzahl knapp über der Mindestmenge liegt.
Woran ein Testlauf gemessen wird
Nach acht bis zwölf Wochen im Regal entscheiden drei Kennzahlen, ob aus der Probebestellung eine Serie wird: Abverkauf je Regalplatz, Rückläuferquote und Wiederkauf. Eine hohe Rückläuferquote bei gutem Abverkauf deutet auf ein Bedienungs- oder Erwartungsproblem hin, nicht auf ein Qualitätsproblem — dort hilft eine bessere Beipackzettel-Erklärung mehr als ein Preisnachlass. Bleibt der Abverkauf hinter dem Regalplatz zurück, ist meist nicht die Nummer falsch, sondern die Platzierung im Sortiment.
Quellen und Belege
- Produktionsangaben Slow Mond: MOQ 100 Stück (Katalogware) / 300 (Eigenmarke) / 500 (Sonderfarbe) / 1.000 Stück (eigenes Werkzeug), Serienfertigung 25–35 Tage, Katalog 15–25 Tage, Neuentwicklung 45–70 Tage, Seefracht 28–35 Tage, Luftfracht 3–7 Tage — firmeneigene Werte, im Angebot verbindlich.
- Zur Einordnung von Mindestmengen als Rüst- und Losgrößenproblem: [Monczka u. a., 2015] Robert M. Monczka, Robert B. Handfield, Larry C. Giunipero, James L. Patterson: Purchasing and Supply Chain Management, Cengage Learning — Standardwerk zur Beschaffung, Kapitel zu Lieferanten- und Losgrößenentscheidungen.
- Zur Termin- und Pufferplanung in Lieferketten: [Christopher, 2016] Martin Christopher: Logistics & Supply Chain Management, Pearson — Grundlagenwerk zur logistischen Zeitplanung.
- Zu Incoterms als Bezugsgröße der Transportverantwortung: Wikipedia-Eintrag „Incoterms".
Hinweis: Transportdauern sind Erfahrungswerte, keine zugesagten Fristen. Buchzitate erscheinen als [Autor, Jahr]; die genannte Ausgabe ist die im Eintrag angegebene.
Weiterführende Beiträge
Aus der Redaktion, passend zu dieser Seite — jeweils mit den Zahlen und Prüfschritten, die im Einkauf gebraucht werden.
- Unterlagenmappe: Lieferantenentscheidung begründen — Unterlagenmappe für die Lieferantenentscheidung
- Lithiumzellen lagern und versenden: die Regeln — Akkubetriebene Ware organisieren
- Massagestäbe: Eigene Marke aufbauen — der Stufenplan — Eigene Massagestab-Marke im Private Label aufbauen
Wer nach der Unterlage die Auswahl braucht: Auf der der Hersteller hinter diesem Programm stehen alle neun Artikelnummern mit MOQ-Stufe, Messwerten und Lieferzeit nebeneinander.