Qualität

Endkontrolle: Nachbearbeitung der Oberfläche prüfen

Kurzantwort: IQC, IPQC, FQC und OQC sind vier Prüfpunkte entlang derselben Lieferkette, keine vier Prüfverfahren. IQC prüft das eingehende Material, IPQC den laufenden Prozess, FQC das fertige Gerät und OQC die versandfertige Charge. Der wirksame Prüfpunkt ist IPQC, nicht die Endkontrolle: Werden Fehler erst am Ende gefunden, ist die Ware bereits produziert. Für Intim-Wellness-Geräte mit Akku und Dichtungen heißt das konkret: Dichtheitsprüfung und Geräuschmessung gehören in den Prozess, nicht an dessen Ende.

Vier Abkürzungen, ein Irrtum

Im Einkauf werden die Begriffe IQC, IPQC, FQC und OQC häufig als Synonyme für „Qualitätskontrolle" gelesen. Tatsächlich bezeichnen sie vier Zeitpunkte im selben Ablauf, an denen unterschiedliche Fragen gestellt werden. Diese Unterscheidung ist nicht akademisch, sondern bestimmt, wie teuer ein Fehler wird: Ein Fehler, der bei der Wareneingangsprüfung auffällt, kostet eine Rücksendung; derselbe Fehler, der beim Kunden auffällt, kostet eine Rückrufaktion. Die statistische Qualitätskontrolle beschreibt diese Abstufung seit Jahrzehnten; Douglas C. Montgomery führt aus, dass die Kontrolle eines Prozesses wirtschaftlicher ist als die Prüfung des Ergebnisses, weil Prüfung Ausschuss aussortiert statt ihn zu vermeiden [Montgomery, 2019].

Der Prüfablauf und seine Tore

Ein Prüfpunkt ist nur dann wirksam, wenn feststeht, was bei einer Abweichung geschieht. Deshalb gehört zu jedem der vier Schritte eine Entscheidung: weiter, nacharbeiten oder sperren. Die folgende Darstellung zeigt die vier Stationen mit der jeweiligen Frage und dem zugehörigen Tor.

Prüfkette vom Wareneingang bis zum Versand IQC Wareneingang IPQC im Prozess FQC fertiges Gerät OQC vor Versand Frage: Entspricht das Material der Spezifikation? Frage: Bleibt der Prozess in den Grenzen? Frage: Erfüllt das Gerät alle Funktionen? Frage: Ist die Charge vollständig und korrekt? Tor: freigeben / sperren Tor: weiter / nachstellen Tor: freigeben / nacharbeiten Tor: versenden / zurückhalten Typische Prüfmerkmale bei Intim-Wellness-Geräten IQC — Härtegrad, Geruch, Chargenzeugnis des Elastomers, Zelldaten des Akkus IPQC — Dichtheitsprüfung, Geräuschmessung, Ladeverhalten, Drehmoment der Schrauben FQC — Funktion aller Stufen, Ladedauer, Oberflächenbefund, Kennzeichnung OQC — Stückzahl, Verpackung, Anleitung in der Zielsprache, Chargennummer Je früher ein Merkmal geprüft wird, desto geringer sind die Kosten einer Abweichung.
Abbildung 1: Vier Prüfpunkte, vier Entscheidungen. Der wirtschaftlich wirksamste Punkt ist IPQC, weil dort eine Abweichung noch im laufenden Prozess korrigiert werden kann. FQC und OQC finden Fehler, die bereits entstanden sind — sie sichern die Lieferung, verbessern aber das Produkt nicht mehr.

IQC: die Wareneingangsprüfung und ihre Grenze

Bei der Eingangsprüfung wird kontrolliert, ob Roh- und Zukaufteile der Spezifikation entsprechen. Für Intim-Wellness-Geräte sind das vor allem das Elastomer, die Zelle und die Dichtungen. Das Verfahren ist eine Stichprobenprüfung: Aus einer Lieferung wird eine Teilmenge gezogen und anhand festgelegter Grenzen bewertet; die Wikipedia beschreibt dieses Vorgehen unter dem Stichwort Stichprobenprüfung. Die Grenze des Verfahrens liegt in seiner Natur: Eine Stichprobe bewertet eine Losmenge, nicht jedes Stück. Wer hundertprozentige Sicherheit braucht, muss vollständig prüfen — was bei zerstörenden Prüfungen unmöglich ist. Für den Einkauf heißt das: IQC ist ein Frühwarnsystem, kein Qualitätsbeweis.

IPQC: der Prüfpunkt, der tatsächlich Geld spart

Die Prozessprüfung überwacht Merkmale während der Fertigung. Bei Geräten mit Dichtungen ist die Dichtheitsprüfung das klassische Beispiel: Wird sie erst am fertigen Gerät vorgenommen, ist im Fehlerfall bereits alles montiert. Wird sie in den Prozess gelegt, lässt sich die Ursache noch am selben Tag finden. Kaoru Ishikawa hat diesen Gedanken für die japanische Qualitätsbewegung auf den Punkt gebracht: Qualität entsteht im Prozess, und wer den Prozess beherrscht, braucht weniger Endprüfung [Ishikawa, 1985]. Für die Zusammenarbeit mit einem Lieferanten ist IPQC deshalb das aufschlussreichste Gesprächsthema — nicht weil der Kunde die Prüfung übernehmen will, sondern weil sich an der Antwort zeigt, ob ein Betrieb seinen Prozess kennt.

Prüfstufen, Merkmale und Nachweise im Vergleich
PrüfstufePrüfmerkmalStichprobe und PrüfmittelNachweisTypischer Fehler
IQCHärtegrad und Geruch des Elastomers, Zelldaten des Akkus5 Stück je Los, Durometer und ChargenzeugnisWareneingangsprotokoll mit LosnummerFreigabe per Sichtvermerk ohne Messwert
IPQCDichtheit, Drehmoment der Schrauben, Geräusch5 Stück je Schicht, Prüfstand und DrehmomentschlüsselProzessblatt je SchichtNachstellen ohne erneute Messung
FQCFunktion aller Stufen, Ladedauer, Geräusch mit 45 dB in 30 Zentimetern200 Stück je Los, Messkammer mit festem AbstandPrüfprotokoll je Gerät mit GrenzwertenGeräuschwert ohne Angabe des Messabstands
OQCStückzahl, Verpackung, Anleitung in der Zielsprache, Chargennummervollständige Lieferung, Lieferschein und KartonkontrolleVersandfreigabe mit ChargennummerChargennummer fehlt im Protokoll
Tabelle 1: Die vier Prüfstufen mit Merkmal, Stichprobe, Nachweis und typischem Fehler. Die Spalte Stichprobe greift die im Text genannte Spanne auf: fünf Stück bei einer strengen Prüfung, zweihundert bei einer maßvollen — die Aussagekraft folgt der Stückzahl, nicht der Strenge. Beim Merkmal Geräusch steht der Grenzwert 45 dB mit dem Messabstand von 30 Zentimetern, weil ein Wert ohne Abstand nicht vergleichbar ist. Lesen Sie die Zeilen von oben nach unten als Zeitachse: Jede Stufe prüft weniger Material, aber näher am Versand. Der Nachweis entscheidet im Reklamationsfall, der typische Fehler zeigt, wo die Stufe versagt.

FQC: das fertige Gerät und die Frage nach den Grenzen

In der Endprüfung wird das fertige Gerät gegen die Spezifikation geprüft: Funktion aller Stufen, Ladedauer, Geräuschentwicklung, Oberflächenbefund, Kennzeichnung. Der häufigste Fehler im Einkauf ist hier, Prüfergebnisse ohne Grenzwerte zu akzeptieren. „Geräusch geprüft" ist keine Aussage; „45 dB in 30 Zentimetern" ist eine. Bestehen Sie darauf, dass jedes Prüfmerkmal eine messbare Grenze hat, und dass die Messbedingungen mitgenannt werden. Bei Geräuschangaben ist der Abstand entscheidend — ein Wert ohne Abstandsangabe ist nicht vergleichbar. Wie die Messung im Einzelnen abläuft, beschreibt die Seite zur Technik der zwei Motoren.

OQC: die Charge vor dem Versand

Die Ausgangsprüfung betrifft nicht mehr das einzelne Gerät, sondern die Lieferung als Ganzes: Stimmt die Stückzahl, ist die Verpackung vollständig, liegt die Anleitung in der Zielsprache bei, ist die Chargennummer dokumentiert? Diese Prüfung wirkt unspektakulär, ist aber diejenige mit der höchsten Fehlerwirkung im Zielmarkt. Eine fehlende deutschsprachige Anleitung macht die Ware unverkäuflich, obwohl jedes Gerät einwandfrei ist. Eine falsche Stückzahl führt zu einer Zollanmeldung, die nicht zur Ware passt. Für Importeure nach DACH ist deshalb die Übersicht der Registerpflichten der passende Ergänzungstext zu diesem Prüfschritt.

Wie Prüfumfang und Prüfschärfe zusammenhängen

Ein Punkt wird in Verhandlungen regelmäßig übersehen: Der Prüfumfang bestimmt die Aussagekraft, nicht die Prüfschärfe. Eine strenge Prüfung an fünf Stücken sagt weniger aus als eine maßvolle Prüfung an zweihundert. J. M. Juran hat diesen Zusammenhang in seinem Handbuch als Unterscheidung zwischen Fehlerursache und Fehlerfolge behandelt und betont, dass die wirtschaftliche Prüfplanung beide Seiten betrachtet [Juran, 1999]. Praktisch heißt das: Fragen Sie nicht „wie streng wird geprüft", sondern „wie viele Stücke je Los und nach welchem Plan". Die Antwort auf die zweite Frage sagt mehr über die Qualität eines Betriebs als jedes Zertifikat.

Welche Nacharbeit nach dem Entformen anfällt und wie sie in die Endkontrolle gehört, beschreibt Nachbearbeitung der Oberfläche.

Kostenwirkung eines Fehlers je Prüfstufe
PrüfstufeWo der Fehler auffälltKostenwirkung in Prozent des Warenwerts
IQCam Wareneingang, bevor das Material in die Montage geht2 Prozent
IPQCim laufenden Prozess, vor dem Zusammenbau5 Prozent
FQCam fertigen Gerät, noch im Werk12 Prozent
OQCan der versandfertigen Charge, vor dem Verladen20 Prozent
keine Prüfungbeim Kunden im Zielmarkt100 Prozent
Lesart: Die Prozentwerte sind eine Beispielrechnung und keine Messreihe: Sie setzen den Aufwand der Abstellung ins Verhältnis zum Warenwert der betroffenen Einheit. Gelesen wird von oben nach unten als Verlauf — mit jeder Stufe, die der Fehler weiterwandert, steigt der Anteil, weil Nacharbeit, Ausschuss und Rückabwicklung zusammenkommen. Der Sprung zwischen OQC und der Auslieferung erklärt, warum eine Prüfung am Ende entlastet, aber nicht verbessert: Ein Fehler beim Kunden ist nicht mehr abstellbar, sondern nur noch auszugleichen. Für den Einkauf folgt daraus, Prüfmerkmale dorthin zu legen, wo die Abstellung noch möglich ist, und die Stichprobe dort zu erhöhen.

Zum Weiterlesen: Motorlagerung, Endkontrolle Sextoys, Austauschakku statt Wegwerfgerät, Erotikartikel im Laden und Erotikartikel.

Passend dazu im Blog: Lieferanten für Vibratoren, Lithiumzellen, Männer-Wellness als Eigenmarke und Massagestäbe im Versand.

Drei Prüfstufen: Umfang, Zeitpunkt und Aussage
Stufe Zeitpunkt Umfang Was sie belegt
Wareneingangsprüfung (IQC)vor der MontageStichprobe je LosMaterial und Zulieferteile
Zwischenprüfung (IPQC)während der FertigungMerkmale je SchichtProzessstabilität
Endprüfung (OQC)vor der Verpackungalle Geräte, wenige MerkmaleFunktion des einzelnen Geräts
Ausgangskontrollenach der VerpackungPackliste, KennzeichnungVollständigkeit der Lieferung
Lesart: Die Tafel beschreibt vier Prüfstufen und ihre jeweilige Aussage; Stichprobenumfänge sind bewusst nicht beziffert, weil sie vom Prüfniveau abhängen. Die vierte Zeile ist die einzige Stufe, die nicht das Produkt, sondern die Sendung prüft — und die einzige, die eine falsche Kennzeichnung noch abfangen kann. Wer die Stufen zusammenlegt, spart Zeit und verliert die Zuordnung: Ein Fehler, der erst in der Endprüfung auffällt, lässt sich keiner Ursache mehr zuweisen.

Häufige Fragen

Reicht eine Endkontrolle vor dem Versand aus?

Für die Lieferfähigkeit ja, für die Qualitätssicherung nein. Eine Endkontrolle sortiert fehlerhafte Stücke aus, verhindert aber nicht, dass sie entstehen. Bei Merkmalen, die nur im montierten Zustand prüfbar sind — Dichtheit, Geräusch — ist sie dennoch unverzichtbar.

Welche Stichprobengröße ist üblich?

Das richtet sich nach Losgröße und vereinbartem Annahmeplan; verbreitet sind genormte Pläne mit festgelegten Annahme- und Rückweisezahlen. Entscheidend ist, dass der Plan schriftlich festgelegt ist und dass beide Seiten denselben Plan anwenden.

Was bedeutet eine Annahmezahl von null?

Dass bereits ein einziges fehlerhaftes Stück in der Stichprobe zur Zurückweisung des Loses führt. Das ist bei sicherheitsrelevanten Merkmalen sinnvoll und bei rein optischen Merkmalen wirtschaftlich kaum darstellbar. Eine sinnvolle Prüfplanung unterscheidet zwischen beiden.

Wer darf die Prüfung durchführen — Lieferant oder Käufer?

Beides ist möglich und wird unterschiedlich gehandhabt. Üblich ist, dass der Lieferant prozessbegleitend prüft und der Käufer eine eigene Abnahme durchführt oder durchführen lässt. Für die erste Lieferung eines neuen Modells ist eine eigene Abnahme empfehlenswert.

Wie werden Prüfergebnisse dokumentiert?

Als Prüfprotokoll je Los, mit Losnummer, Prüfdatum, angewandtem Plan, Messwerten je Merkmal und Freigabe. Ohne Losnummer ist das Protokoll nicht zuordenbar und im Reklamationsfall wertlos.

Warum Grenzwerte wichtiger sind als Prüfhäufigkeit

Ein Prüfplan ohne Grenzwerte ist eine Sammlung von Messungen ohne Entscheidung. Erst die Grenze macht aus einem Messwert ein Urteil: weiter oder sperren. In der Praxis werden Grenzwerte häufig zu eng oder zu weit gefasst. Zu enge Grenzen erzeugen Ausschuss, der funktional unbedenklich wäre — das verteuert die Ware ohne Nutzen für die Kundschaft. Zu weite Grenzen lassen Ware durch, die später reklamiert wird. Die Bestimmung der richtigen Grenze ist eine Frage der Funktionsweise, nicht der Statistik: Bei einer Dichtung ist die Grenze durch die Eindringtiefe bestimmt, bei einem Geräusch durch den Abstand und die Umgebungsbedingungen, bei einer Schraubverbindung durch das Drehmoment. Wer die Grenze aus der Funktion ableitet statt aus einer Gewohnheit, erhält einen Prüfplan, der sich auch gegenüber dem Lieferanten begründen lässt.

Der Umgang mit Grenzfällen

Jede Prüfung erzeugt Fälle, die knapp neben der Grenze liegen. Der Umgang mit diesen Fällen ist in vielen Lieferbeziehungen ungeregelt, und genau dort entstehen die meisten Auseinandersetzungen. Bewährt hat sich eine einfache Regelung mit drei Elementen: Erstens eine Wiederholungsprüfung an einer erweiterten Stichprobe, zweitens eine Freigabe mit Vorbehalt für Merkmale, die die Sicherheit nicht betreffen, drittens eine unverzügliche Sperre für sicherheitsrelevante Merkmale. Diese drei Wege sollten vor der ersten Lieferung schriftlich festgelegt sein, weil im Konfliktfall keine Zeit für eine Einigung bleibt. Für den Einkauf ist der wichtigste Teil die Unterscheidung zwischen sicherheitsrelevant und nicht sicherheitsrelevant — sie entscheidet, ob eine Diskussion überhaupt zulässig ist.

Was ein Prüfprotokoll enthalten muss

Ein vollständiges Protokoll benennt sechs Angaben: Losnummer, Prüfdatum, angewandten Prüfplan mit Stichprobengröße, die Messwerte je Merkmal, die angewandten Grenzwerte und die Freigabeentscheidung mit Name. Fehlt die Losnummer, ist das Protokoll nicht zuordenbar und im Reklamationsfall wertlos — das ist der häufigste Mangel. Fehlen die Grenzwerte, lässt sich die Entscheidung nicht nachvollziehen. Fehlt die Freigabe mit Name, ist unklar, wer die Verantwortung getragen hat. Für Importeure nach DACH hat das Protokoll zusätzlich eine rechtliche Bedeutung, weil es zu den Unterlagen gehört, die bei einer Kontrolle vorgelegt werden können. Wer Protokolle je Los systematisch ablegt, kann im Fall einer Rückfrage innerhalb eines Tages antworten, statt eine Suche zu beginnen.

Wie sich Prüftiefe und Liefertreue beeinflussen

Ein Punkt wird in Verhandlungen selten ausgesprochen: Eine sehr gründliche Prüfung kostet Zeit, und diese Zeit fehlt in der Lieferkette. Eine vollständige Prüfung jedes Merkmals an jedem Stück verlängert die Durchlaufzeit erheblich. Für die Praxis bedeutet das keine Wahl zwischen Gründlichkeit und Termintreue, sondern eine Reihenfolge: Sicherheitsrelevante Merkmale werden vollständig geprüft, funktionale Merkmale nach Stichprobenplan, rein optische Merkmale nach einem großzügigeren Plan. Diese Abstufung ist auch wirtschaftlich sinnvoll, weil sie die Prüfzeit dorthin lenkt, wo ein Fehler teuer wird. Wer sie im Vorfeld mit dem Lieferanten abstimmt, vermeidet die Situation, in der kurz vor dem Versand über den Prüfumfang gestritten wird.

Warum Messbedingungen Teil des Ergebnisses sind

Ein Messwert ohne Bedingungen ist keine Aussage. Bei der Geräuschmessung ist der Abstand zum Gerät der entscheidende Faktor, weil die Schallausbreitung mit der Entfernung abnimmt; hinzu kommen Umgebungsgeräusch und Messaufbau. Bei der Ladezeitmessung ist die Leistung der Ladestation maßgeblich, bei der Laufzeit die gewählte Stufe. Wer Prüfergebnisse vergleicht, sollte deshalb zuerst prüfen, ob sie unter denselben Bedingungen entstanden sind — sonst werden zwei Messwerte verglichen, die nicht vergleichbar sind. In der Praxis ist das der häufigste Grund für Widersprüche zwischen Datenblatt und eigener Messung: Beide Werte können richtig sein, wenn die Bedingungen abweichen. Für die Vereinbarung mit einem Lieferanten empfiehlt sich deshalb, die Messbedingungen im Prüfplan festzuschreiben und nicht nur den Grenzwert.

Wie sich Prüfergebnisse über Lieferungen hinweg vergleichen lassen

Einzelne Prüfwerte sagen wenig; die Entwicklung über mehrere Lieferungen sagt viel. Wer je Los dieselben Merkmale erfasst und die Werte in einer einfachen Reihe dokumentiert, erkennt Verschiebungen, bevor sie die Grenze überschreiten. Eine allmählich steigende Geräuschentwicklung über mehrere Lose ist ein Hinweis auf Werkzeugverschleiß; eine sinkende Ladezeit auf eine geänderte Zelle. Beides fällt in der Einzelprüfung nicht auf, weil jeder Wert innerhalb der Grenze liegt. Für die statistische Prozessbeobachtung ist genau das der Zweck: Nicht der einzelne Messwert entscheidet, sondern die Lage der Reihe. Der Aufwand dafür ist gering, weil keine neuen Messungen nötig sind — es genügt, die vorhandenen Werte zu sammeln und in der richtigen Reihenfolge abzulegen.

Was bei einer beanstandeten Lieferung zu klären ist

Im Reklamationsfall entscheidet die Reihenfolge der Klärung über den Ausgang. Zuerst ist die Zuordnung zu sichern: Losnummer, Prüfprotokoll und die Charge des betroffenen Materials. Danach ist festzustellen, ob der Mangel bei der Ware oder in der Anwendung liegt — ein bei Kälte früher abschaltendes Gerät ist kein Materialfehler. Erst danach ist über die Abstellung zu sprechen. Diese Reihenfolge deshalb, weil ohne Zuordnung jede Diskussion auf Annahmen beruht und weil die Ursachenbestimmung die kostenträchtigste Entscheidung ist. Bewährt hat sich, die beanstandeten Stücke unangetastet zu sichern und eine Stichprobe aus derselben Lieferung gegenzuprüfen. Damit lässt sich in der Regel klären, ob ein Einzelfall vorliegt oder eine systematische Abweichung, die ein Los betrifft. Für die Auswahl hilft der Vergleich der drei Werkstoffe mit Prüfpunkten je Werkstoff.

Wie sich Prüfaufwand und Modellvielfalt zueinander verhalten

Jede zusätzliche Artikelnummer erzeugt Prüfaufwand, und zwar nicht nur einmalig, sondern bei jeder Lieferung. Das hat eine Konsequenz für die Sortimentsplanung, die im Einkauf selten durchgerechnet wird: Ein Sortiment mit vielen ähnlichen Modellen verursacht mehr Prüfaufwand als eines mit wenigen klar unterschiedenen, obwohl die Stückzahl gleich ist. Der Grund liegt in der Dokumentation — jede Variante braucht eine eigene Mappe, einen eigenen Prüfplan und eine eigene Freigabe. Für die Zusammensetzung des Sortiments folgt daraus eine wirtschaftliche Regel: Die Zahl der Modelle sollte aus der Sortimentslogik bestimmt werden, nicht aus der Verfügbarkeit. Wer zehn ähnliche Modelle führt, trägt zehnfach Dokumentationsaufwand für einen Sortimentsvorteil, der im Regal kaum erkennbar ist. Diese Überlegung spricht nicht gegen Vielfalt, sondern für eine Vielfalt, die in der Beratung auch erklärbar ist.

Warum die Prüfung auch eine Frage der Sprache ist

Prüfanweisungen entstehen in der Regel dort, wo gefertigt wird, und werden dort auch angewendet. Für die Zusammenarbeit über Sprachgrenzen hinweg ist das die häufigste Fehlerquelle, weil eine Anweisung zwar übersetzt, aber nicht verstanden wird. Abhilfe schafft eine Festlegung, die ohne Fachwissen auskommt: Prüfmerkmal, Grenzwert, Messmittel und Entscheidung werden in einer Tabelle je Modell festgehalten, nicht in einem Fließtext. Eine Tabelle lässt sich prüfen, ein Text nicht. Ergänzend hilft eine Fotodokumentation der Prüfsituation, weil sie den Aufbau zeigt, den eine Beschreibung nur andeutet. Diese beiden Festlegungen sind unspektakulär und verhindern den Fall, in dem zwei Seiten jahrelang unterschiedliche Vorstellungen von derselben Prüfung haben, ohne dass es auffällt — bis eine Lieferung beanstandet wird.

Ein letzter Hinweis für die Praxis: Die Prüfkette wirkt nur, wenn sie schriftlich festgelegt ist, bevor die erste Lieferung ansteht. Mündliche Zusagen über Prüfumfang und Grenzwerte sind im Konfliktfall nicht greifbar, und sie werden von beiden Seiten unterschiedlich erinnert. Eine Seite je Modell, die Merkmal, Grenzwert, Messmittel und Entscheidung nennt, ersetzt jede spätere Diskussion.

Diese Seite sollte von beiden Seiten unterzeichnet werden; sie ist der kürzeste Weg, eine Prüfvereinbarung herzustellen, die auch nach einem Personalwechsel noch gilt.

Referenzen

  • Wikipedia-Artikel „Stichprobenprüfung" — de.wikipedia.org/wiki/Stichprobenprüfung
  • Wikipedia-Artikel „Qualitätsmanagement" — de.wikipedia.org/wiki/Qualitätsmanagement
  • [Montgomery, 2019] Douglas C. Montgomery: Introduction to Statistical Quality Control. 8. Auflage, John Wiley & Sons, Hoboken NJ, 2019.
  • [Ishikawa, 1985] Kaoru Ishikawa: What Is Total Quality Control? The Japanese Way. Prentice Hall, Englewood Cliffs NJ, 1985.
  • [Juran, 1999] Joseph M. Juran und A. Blanton Godfrey: Juran's Quality Handbook. 5. Auflage, McGraw-Hill, New York, 1999.

Was Einkäufer aus der Prüfkette mitnehmen

Der praktische Nutzen dieser Einteilung liegt in der Gesprächsführung. Wer einen Lieferanten nach „Qualitätskontrolle" fragt, erhält eine Zusage. Wer nach dem Prüfplan bei IPQC, nach dem Messabstand bei der Geräuschprüfung und nach der Losnummer im Protokoll fragt, erhält eine Auskunft — und an ihrer Präzision lässt sich die Zusammenarbeit besser einschätzen als an jedem Zertifikat. Für die ersten Gespräche hilft die Prüfung von Lieferanten ohne Reisepflicht; für die Dokumentenseite der Prüfung die Konformitätsdokumente je Modell. Welche Messwerte die einzelnen Modelle erreichen, steht auf den Seiten der neun Artikelnummern.

Sprechen Sie unsere Redaktion an

Sie planen einen eigenen Artikel oder haben eine Frage zu Lieferant, Zertifikat oder Markteinführung? Wir antworten werktags innerhalb von 24 Stunden.

Direkter Draht zur Fertigung

Mehr zum Programm, zu den neun Artikelnummern und zu den Ressourcen für den B2B-Einkauf: Programm und Fertigung auf einen Blick.

Angebot anfordern WhatsApp